Kräfte intelligent beherrschen

Die KORSCH Druckrollenstation als konstruktives Erfolgsprinzip

Tablettiermaschinen müssen im Produktionsprozess enorme Kräfte aufnehmen, denn je nach Anwendung können beim Pressvorgang Kräfte von mehr als 100 kN wirken. Diese Belastungen sicher zu beherrschen, ohne Präzision, Maschinenlebensdauer oder Bedienkomfort zu beeinträchtigen, gehört seit jeher zu den zentralen Herausforderungen im Maschinenbau.

Bis in die 1990er Jahre folgte der Kraftfluss bei KORSCH Rundlaufpressen einem klassischen Maschinenkonzept: Die oberen und unteren Druckrollen waren getrennt an der Kopfplatte beziehungsweise am Maschinengestell befestigt. Während des Pressvorgangs zeigten die Druckrollen durch die hohen Presskräfte jedoch eine Tendenz zu Ausweichbewegungen. Die dabei entstehenden Kräfte wurden über die Aufnahmevorrichtungen in das Maschinengehäuse eingeleitet und regten tragende Bauteile wie die Kopfplatte und das Maschinengestell zu Schwingungen an. Da diese im hörbaren Frequenzbereich lagen, führten sie zu einer erheblichen Geräuschentwicklung.

Um diese konstruktionsbedingten Nachteile zu überwinden, entwickelte KORSCH eine patentierte Druckrollenstation. Der entscheidende Unterschied zur konventionellen Lösung besteht darin, dass obere und untere Druckrolle nicht mehr getrennt gelagert, sondern gemeinsam in einer Führungssäule integriert sind und sich gegeneinander verstellen lassen. Dadurch werden die Presskräfte innerhalb der Druckrollenstation aufgenommen, anstatt über das gesamte Maschinengehäuse abgeleitet zu werden. Das Ergebnis sind deutlich reduzierte Schwingungen, geringere Geräuschemissionen und eine optimierte Kraftführung.

Die patentierte KORSCH Druckrollenstation gibt es in zwei unterschiedlichen Ausführungen: Eine Version verfügt über eine geschlossene, zylindrische Führungssäule, deren glatte Außenflächen den hohen Hygieneanforderungen der pharmazeutischen Produktion optimal entsprechen. Die zweite Variante nutzt ein offenes Gestell, das durch Abdeckbleche verschlossen wird. Dieses Konzept erleichtert den Zugang zu den innenliegenden Komponenten und vereinfacht Wartungs- und Servicearbeiten erheblich.

Beide Ausführungen bieten einen weiteren entscheidenden Vorteil: Die oberen und unteren Druckrollenaufnahmen können entweder unabhängig voneinander oder synchron verstellt werden. Die synchrone Verstellung bestimmt die Position der Presszone. Die relative Verstellung der beiden Druckrollen ermöglicht eine präzise Einstellung der Steghöhe und damit der Tablettendicke. Diese Flexibilität verbessert den Einrichtprozess und die Prozesskontrolle während der Produktion gleichermaßen.

Die bewegliche Druckrollensäule bildet bis heute die technologische Grundlage einer weiteren KORSCH Innovation: der Multifunktionsplattform (MFP). Sie schafft die Voraussetzungen für maximale Flexibilität bei der Einstellung der Pressparameter und ist ein wesentlicher Baustein moderner Hochleistungs-Tablettiermaschinen.

KORSCH Technology Blog
Kräfteverteilung in der Druckrollenstation