Continuous Manufacturing in der Großserienfertigung
KORSCH: Ist Continuous Manufacturing (CM) eine Antwort auf die Anforderungen der Großserienproduktion?
Robin Meier: Um zunächst ein häufiges Missverständnis auszuräumen: Kontinuierliche Fertigung bedeutet nicht 24/7 ununterbrochene Produktion. Es geht vielmehr um den kontinuierlichen Zu- bzw. Ausstrom von Materialien im Produktionsprozess. Und ja: CM bietet viel Potenzial für die Großserienproduktion. Der Fokus liegt dabei allerdings eher auf Qualitätsoptimierung als auf Durchsatzmengen.
KORSCH: Welche Vorteile bietet das CM?
Robin Meier: Stichwort Qualität: CM reduziert zum Beispiel bei der Direktverpressung massiv das Entmischungsrisiko, denn das Material bleibt im System ständig in Bewegung. Das vereinfacht die Dosierung und Mischung, insbesondere von schlecht fließenden Arznei- und Hilfsstoffen. Auch Fehler, etwa aufgrund von minimalen Abweichungen im Material, können viel schneller erkannt und fehlerhafte Produkte sofort ausgeschleust werden und gleichzeitig können die Prozessparameter der vorgelagerten Schritte so korrigiert werden, dass man wieder in den Design Space gelangt. Und nicht zuletzt lassen sich auch in der Produktentwicklung Zeit und Material einsparen.
KORSCH: Wann ist eine Umstellung von Chargenproduktion auf CM sinnvoll?
Robin Meier: Das ist immer auch eine strategische Frage. Bei bestehenden, großvolumigen Chargenproduktionen mit kleinen Margen ist zu prüfen, ob eine Reinvestition sich lohnt. Bei Qualitätsproblemen oder einer geplanten Investition in eine neue Anlage sollte man CM auf jeden Fall in Betracht ziehen – vielleicht auch zunächst nur für Teilbereiche. Letztlich ist es ein riesiges Puzzle aus vielen Teilen. Hier können KORSCH und L.B. Bohle ihre Stärken im Process Engineering ausspielen und Sonderlösungen entwickeln.
KORSCH: Ist CM günstiger als Chargenproduktion?
Robin Meier: Hohes Einsparpotenzial bietet CM bei den Betriebs- und Energiekosten. Verglichen mit der Chargenproduktion werden etwa bei der Feuchtgranulierung nur 10 Prozent der Luftmenge für den Trocknungsprozess benötigt. Auch hier lassen sich verschiedene Szenarien durchspielen. Letztlich muss man jeden Case individuell betrachten.
KORSCH: Vielen Dank für das interessante Gespräch!